aus: Die Heimat - Zeitschrift für Natur- und Landeskunde von Schleswig-Holstein und Hamburg, Nr. 11/12. 94. Jahrgang • Neumünster, November/Dezember 1987

 

Hans Zech:

Zur Lage des aufgelassenen Zisterzienserklosters Guldholm 1192-1210

 

In diesem Text werden die Erkenntnisse einer landeskundlichen Exkursion des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes aus dem Jahre 1985 zusammengefasst.

 

Anstoß

Eine landeskundliche Exkursion der Zentralstelle für Landeskunde des SHHB führte im Herbst 1985 zu mittelalterlichen Klosteranlagen im Bereich von Nord-Schleswig, so auch zum Nordufer des Langsees mit der Lagebezeichnung „Güldenholm Seehaus". Der ehemalige Standort des Klosters wurde damals als „nicht bekannt" bezeichnet. Die begleitende Kreiskarte 1:100 000 sowie die Situation am Ort lieferten zunächst keine Anhaltspunkte. Wo aber hatte das Kloster gestanden?

 

Quellenforschung

Das Kloster Guldholm hat mit 18 Jahren eine ungewöhnlich kurze Zeit bestanden. Die Ursachen und die Begleitumstände haben nicht nur zeitgenössische Berichterstatter gereizt, wobei der Schwerpunkt der Berichte naturgemäß bei den skandalträchtigen Komponenten der Ereignisse lag. Objektivität allerdings darf von ihnen kaum erwartet werden. Lebten doch die Chronisten im politischen Alltag und damit im Spannungsfeld zwischen Herzog und König, Bischof und Papst. Solche Verhältnisse konnten nicht ohne Einfluß auf die Klöster bleiben, die ihre Stellung und ihre Chancen im Lande wohl zu nutzen wußten. Hier aber interessierte vorab die Lage des ehemaligen Klosters Guldholm. Ch. Godt (1) und auch Daugaard (2) berichten im wesentlichen über die politischen Zusammenhänge, die zur Gründung von Guldholm geführt haben. Auch Ellger/Teuchert (3) behandeln nur die historischen Ereignisse. Bei Kuhlmann (4) jedoch finden wir bereits Angaben über die Lage: „Am Nordufer'' , auf einer „vom Norden her in den Langsee vorspringenden Halbinsel'. Kuhlmann (5) verweist jedoch auf Lorenzen (6), der eine so genaue Beschreibung der Örtlichkeit liefert, daß Zweifel an der Lage des ehemaligen Klosters kaum bestehen dürften: „auf einer Halbinsel, die am S ü d ufer des Sees mit dem Land verbunden" ist (7).

„Die ganze Länge von West nach Ost beträgt 220 Schritt, die Breite von Süd nach Nord ist unterschiedlich, an der breitesten Stelle beträgt sie 84 Schritt. Der Platz, auf dem das eigentliche Klostergebäude stand, ist gegenüber dem übrigen Teil etwas erhöht. Im übrigen liegt die ganze Halbinsel so tief, daß einige Tage Regen oder ein wenig Hochwasser den größten Teil unter Wasser setzen. Der erhöhte Teil bildet ein fast regelmäßiges Viereck, welchs 72 Schritt lang und 54 Schritt breit ist und gegen Osten und Norden dicht an der Wasserkante liegt. Hier ist eine Furt, so daß man bei sehr niedrigem Wasserstand völlig trockenen Fußes nördlich des Klosterplatzes durch das Seebecken gehen kann, und man sieht deutlich Reste des Fundaments, nämlich große Feldsteine, die das Wasser nicht hat fortführen können. Von den Mauersteinen sieht man jetzt keine Spur mehr. Nach der Überlieferung soll die Vedelspanger Mühle mit Material aus dem Kloster gebaut worden sein. Sowohl Steine als besonders auch Eichenholz scheinen dies zu bekräftigen. Der Garten erstreckte sich nach Westen, . .". „. . . daß das Kloster durch einen ziemlich breiten Graben vom Garten getrennt gewesen ist (8)." „In Verbindung mit diesem westlichen Graben verläuft ein anderer im Süden, der sich ganz am Kloster vorbei erstreckte und am Südostende desselben mit dem See in Verbindung trat (9)."

 

Historie und Legende

Lorenzen stellt ferner Betrachtungen über den sogenannten „Mönchskrieg" von 1194 und seine politischen Hintergründe, über den Anstoß zur Gründung von Guldholm (10) sowie die spätere Verlegung nach Rüde an (11). Er weist besonders auf die Rivalität zwischen Bischof Waldemar, der später gefangengesetzt wurde, und Herzog Waldemar II. hin, der König Knut VI. 1202 ablöste. Die weißen Zisterzienser mit ihren strengen Regeln standen zu Bischof Waldemar, während die schwarzen Benediktiner Parteigänger des Königs waren.

Daugaard (2) beschreibt sehr drastisch, wie der Bischof den Abt von St. Michaelis mit seinen Mönchen in einer verrufenen Schleswiger Herberge, ihn selbst im Bett, überrascht haben soll. Geertz (12) zitiert: „Als also ... die schwarzen Mönche . . . allzu verschwenderisch mit ihrem Ansehen, die ganze Gegend mit dem Gestank ihrer Ruchlosigkeit beschmutzt hatten, sogar . . . das Haus Gottes . . . eine Räuberhöhle und ein Hurenhaus geworden war . . ."

Diese Ereignisse soll Bischof Waldemar zum Anlaß genommen haben, die reformwilligen Benediktiner zusammen mit den aus Esrom herbeigeholten Zisterziensern zur Gründung eines neues Klosters nach den Regeln der Zisterzienser nach Guldholm zu verlegen. Himmelfahrt 1192 wurde der Guldholmer Konvent eingeweiht. Den Besitz von St. Michaelis sprach der Bischof Guldholm zu.

Nach der Gefangennahme von Bischof Waldemar kehrte ein unzufriedener Teil der Benediktiner nach Schleswig und zum alten Lebensstil zurück. Durch das Fehlen der alten Besitzungen war jedoch die Pfründe mager. Und nun begann der erwähnte „Mönchskrieg" zwischen Schleswig und Guldholm. Es heißt (Christiani 1c p. 348) (15): „Die geistlichen Herren griffen wechselseitig die feindlichen Klöster an, als wenn es Festungen wären, und schlugen sich besonders zur Abendzeit auf die unanständigste Weise herum, so daß viele verwundet wurden." Eine päpstliche Kommission entschied schließlich zugunsten Guldholms, das jedoch nun das herzogliche Patronat anerkennen mußte. 1196 bestätigte König Knut VI. diese Regelung. Die Verlegung des Klosters 1210 nach Rüde mag ihre Ursache neben der Nähe von Schleswig besonders in der ungünstigen Lage von Guldholm gehabt haben. Wie schon erwähnt, muß mit einer recht einseitigen Berichterstattung gerechnet werden, da die Berichte ausschließlich aus der Feder von Zisterziensern stammen.

 

Die Lage der Wüstung

Vor solchem Hintergrund bot es sich an, den schriftlichen Quellen vor Ort nachzuspüren. Die freundliche Hilfsbereitschaft der Familie Tiemann, Güldenholm-Seehaus am Nordufer, erleichterte die Untersuchung der am Südufer liegenden Halbinsel erheblich durch das Ausleihen eines Bootes. Zwei Scherben, eine salzglasiert und ein Grapenfuß aus dem Tiemannschen Besitz, die am Nordufer gefunden wurden, sind jünger und könnten mit einem bei Ellger/Teuchert (3) erwähnten bischöflichen Hof zu tun haben (Abb. 1).


Abb. 1: Zwei jüngere Scherben

Schon die erste Begehung der Halbinsel bestätigte weitgehend die Angaben und Maße von Lorenzen (Abb. 2, 3). Die dort beschriebenen Gräben und Niederungszonen waren deutlich auszumachen (Abb. 4, 5, 6) (13). Auffällig war zunächst ein dicht unter dem Wasserspiegel liegender sauber gesetzter wallartiger Streifen von Feldsteinen bis zu 30 cm Durchm., der am Ostufer der Halbinsel zu einer Gruppe großer im See unter Wasser liegender Feldsteine führt. Der Verdacht, es handele sich hierbei um Fundamentreste, bestätigte sich jedoch nicht: Der Damm zu den großen Steinen ist das Werk der Schleswiger Sportangler (Abb. 7). — Zur Zeit der Existenz von Guldholm wird der Wasserspiegel des Langsees, der vor dem Bau der Wellspanger Mühle sicher einen ungestauten Abfluß hatte, um mindestens 50 cm tiefer gelegen haben. Lorenzen (14) spricht von einer Furt durch den Langsee im Klosterbereich und erwähnt „deutlich Reste des Fundaments". Es lag daher nahe, die erwähnten großen Steine im See auszumachen und grob einzumessen. Der Lageplan (Abb. 8a, b) zeigt das Ergebnis. —


Abb. 2: Guldholm vom Nordufer aus.
Die Baumgruppe rechts markiert die Mündung des Grabens zwischen Kloster und Garten


Abb. 3: Der Klosterplatz mit den Grabenmündungen am rechten und linken Bildrand


Abb. 4: Ein flacher Hügel vor dem Westgraben


Abb 5: Der Westgraben zwischen Kloster und Garten


Abb 6 Der Klosterplatz von Süden. Hinter dem Strommast Reste des Südgrabens


Abb. 7 Der „Damm"-Ansatz und die Gruppe großer Steine

Abb. 8a: Lageplan Langsee und Güldenholm Mit freundlicher Genehmigung des Landesvermessungsamtes Schleswig-Holstein


Abb. 8b: Klosterplatz mit Feldsteinmarkierungen im See


Der Hinweis auf Mauersteine läßt vermuten, daß auf oder im Bereich von Guldholm eine kleine Feldziegelei bestanden hat, zumal am Ostufer der Halbinsel fetter Ton ansteht. Ziegelbrocken fanden sich sowohl in Maulwurfshaufen wie auch im Wasser am Nord-und Ostufer (Abb. 9). Im Garten von Herrn Dethleffsen, Hof Güldenholm-Holzhaus, liegen ferner drei großformatige Ziegel, die im Klosterbereich gefunden wurden (Abb. 10). Ferner gab es dort eine „Teufelskralle" aus Sandstein (Abb. 11, 12), die früher in die Scheunenwand eingemauert war, jedoch später abgebrochen ist. Als vermutliches Relikt des Klosters Guldholm mag sie ein Hinweis sein auf die Qualität der Bausubstanz desselben. Die gelegentlich geäußerte Vermutung, die Klostergebäude wären wegen der kurzen Zeitspanne der Existenz nicht über das Stadium des Holzbaues hinausgekommen, darf damit als widerlegt gelten. —


Abb. 9: Ziegelbrocken


Abb. 10: Ziegel


Abb. 11: „Teufelskralle" von oben


Abb.12: „Teufelskralle" von unten

Auch dem Hinweis auf die Verwendung von Baumaterial des Klosters für die Mühle Wellspang wurde nachgegangen. Die Mühle ist in der Zwischenzeit mehrmals abgebrannt. Im Zuge des Baues einer neuen Straßenbrücke wurde das alte Mühlengebäude abgerissen, so daß altes Baumaterial nicht mehr auszumachen war. Lediglich eine Außentreppe an der Westseite des Mühlenspeichers enthält einige großformatige schwach gebrannte bröckelnde Ziegel.

 

Zusammenfassung

Die schriftlichen Quellen wie auch die örtlichen Gegebenheiten lassen einen Zweifel an der Lage der Wüstung Guldholm kaum zu. Zwar mündet westlich von Seehaus ein kleiner Bachlauf von Norden her in den Langsee, so daß man auch dort einen Siedlungsplatz vermuten könnte. Der von Süden her im Bereich der Halbinsel stark abfallende Hang zum See ist jedoch so sprintig, daß die Frischwasserversorgung für das Kloster von dort her keine Schwierigkeiten bereitet haben dürfte. — Zur Bestätigung der Lage der Klosterwüstung könnten neben gezielten Probegrabungen vielleicht auch Luftbilder beitragen.

 

Anmerkungen

(1) Chr. Godt in Zeitschr. d. Ges. f. SH. u. Lauenb. Gesch. Bd. 21, Kiel 1891, S. 139-186. „Bischof Waldemar v. Schleswig und die Cisterzienser von Guldholm”.

(2) J. B. Daugaard, Kopenhagen 1830 „Om de Danske klostere i middelalderen" S. 458 ff. — Dank an Herrn C. H. Petersen, Kosel für die Übersetzung aus dem Dänischen!

(3) D. Ellger und W. Teuchert, Schleswig 1957, S. 278-279 „Die Kunstdenkmäler des Landkreises Schleswig".

(4) H. J. Kuhlmann in Quellen und Forschungen zur Geschichte Schlesw.-Holst. Bd. 36, S. 218-220. Neumünster 1958: „Besiedlung und Kirchspiel-Organisation der Landschaft Angeln im Mittelalter".

(5) Kuhlmann, a. a. O., S. 220.

(6) C. C. Lorenzen, København 1859, S. 319-326: Annaler for nordisk oldkynighed og historie. „Nogle bemärkinger om Guldholm kloster". Dank Herrn C. H. Petersen, Kosel, für die Übersetzung aus dem Dänischen!

(7) Ders., a. a. O., 5. 320.

(8) Ders., a. a. O., S. 321.

(9) Ders., a. a. O., S. 322.

(10) Ders., a. a. O., S. 323-325.

(11) Ders., a. a. O., S. 326.

(12) M. Gl. Geertz, Skriptores minores historiae Danicae medii aevi, Bd. 2 Kopenhagen 1918-1920. Dank an Herrn M. Kauke, Gettorf, für die Übersetzung des schwierigen lateinischen Textes!

(13) Lorenzen, a. a. O., S. 321.

(14) Ders., a. a. O., S. 321.

(15) Christiani, Geschichte der Herzogtümer Schleswig und Holstein.

 

Die Örtlichkeiten haben sich innerhalb der letzten 25 Jahre kaum verändert. Die Anregung von Hans Zech für Probegrabungen und archäologische Luftaufnahmen ist meines Wissens bisher nicht weiter verfolgt worden.