Quelle: Hans Nicolai Andreas Jensen, Andreas Ludwig Jacob Michelsen (Hrsg.): Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte, Bd. 2, S. 81-86, Kiel, 1874

 

Dieser Text basiert hauptsächlich auf der 'Narratio de Monasterio S. Michaelis apud Slesvicum et de Fundatione Monasterii Aureae Insulae'. Dennoch kann man einige interessante Abweichungen und Ergänzungen darin finden. In der unten angegebenen Online-Ausgabe sind weitere Quellenangaben zu finden.

 

VII.

Die Klöster. Von ihrer Einrichtung überhaupt und von den begüterten Klöstern insbesondere

 

Wir wenden uns nun wieder zu den Cistercienserklöstern und haben im Schleswigschen noch eins in Betracht zu nehmen, welches gleichfalls durch Umwandlung eines Benedictiner-Klosters entstand. Ein solches Kloster der Benedictiner, die als schwarze Mönche (Cluniacenser) bezeichnet werden, lag dicht vor Schleswig bei der Michaelis-Kirche. Die merkwürdigen Vorfälle bei Veränderung und Verlegung desselben in ein Cistercienserkloster, namentlich der sogenannte Mönchenkrieg, sind von älteren Schriftstellern ziemlich ungenau berichtet. Man hat darüber aber eine besondere von einem dieser Stiftung angehörigen Mönche ums Jahr 1289 verfaßte Erzählung, nach welcher die Sache sich etwas anders stellt. Wir wollen uns an diese halten, wodurch wir der Widerlegung sonstiger Erzählungen überhoben sind. An der Michaelis-Kirche in der Schleswiger Vorstadt wohnten vormals Mönche des Cluniacenser-Ordens. Diese standen in der Umgegend in sehr übelem Rufe, und der Ort, der ein Haus Gottes und des Gebetes hätte sein sollen, so sagt der Verfasser jener Erzählung 1, war eine Räuberhöhle und ein Hurenhaus geworden, daher allen Laien verabscheuungswürdig und verächtlich, so daß das Volk jene Mönche nicht werth hielt, ihnen die gewöhnlichen Gaben zu bringen, noch die kirchlichen Sacramente von ihnen zu empfangen. Die Schleswiger Bischöfe wollten das Kloster reformiren, hatten es aber nicht gekonnt, weil noch das Maß der Sünden nicht erfüllt war und dieselben nicht so offenbar geworden waren, als nachher geschah. Bischof Waldemar faßte endlich den Entschluß, das Kloster zu versetzen, und dazu gab eine ärgerliche Geschichte Veranlassung, die auch von andern Geschichtsschreibern erzählt wird, aber als wäre sie erst vorgefallen, nachdem das Kloster nach Guldholm versetzt war. Der Abt war mit einigen Brüdern nach einem übelberüchtigten öffentlichen Hause gegangen, und hier wurde geschwelgt und mit schlechten Weibern verkehrt. Einer der Mönche, der daran Theil zu nehmen pflegte, aber das Mal nicht mitgenommen war, erfuhr dies, und aus Rache, um dem Abt eine Schande zu bereiten, zog er die Todtenglocke. Die schlafenden Klosterbrüder erwachen, laufen zusammen, fragen was sich begeben. Jener antwortet: „Unser Abt liegt todt in der Schenke“, - „mortuus est in anima“. Mit Rauchfässern und was sonst bei der Todtenbestattung gebräuchlich, ziehen die Brüder in Procession nach dem bezeichneten Orte. Das Volk schließt sich an. Hier findet man nun den Abt im Skandal. Die Folge war, daß der Abt resignirte. Er und die übrigen Mönche übergaben das Kloster in die Hände des Bischofs, einige ausdrücklich, andere stillschweigends, da sie sich fürchteten zu widersprechen. Nur vier Mönche ließ der Bischof im Kloster bleiben, um für die acht Nonnen, die daselbst waren, den Gottesdienst abzuhalten; sie sollten aber keine mehr aufnehmen, sondern allmälig aussterben; zu ihrem und der Nonnen Unterhalt bestimmte der Bischof drei Mühlen nahe bei der Stadt, die Grundstücke in der Stadt und einige andere Güter. Die übrigen Mönche baten theils in andern Klöstern ihres Ordens untergebracht zu werden, was auch geschah, theils versprachen sie, eine strengere Ordensregel anzunehmen. Diese letzteren wurden nun nach Guldholm geschickt, wo der Bischof ein Cistercienser-Kloster hatte errichten lassen, und zwar auf seinem Erbgut. Dies Guldholm (die goldene Insel, aurea insula, vielleicht ursprünglich nur der gelbe Holm) ist ein Platz eine gute halbe Meile nördlich von Schleswig am südlichen Ufer des Langsees, von demselben halb umflossen. Der Bischof begabte diese Stiftung reichlich und soll zum öftern gesagt haben: „Goldene Insel heißest du, ja wenn ich lebe, will ich dich vergolden!“ 1192 am 12. Juni kam der Convent nach Guldholm, am 22. weihte der Bischof den Kirchhof und den Umgang (ambitus) des Klosters und gab demselben die Bischofszehnten von vier Kirchen, S. Michaelis auf dem Berge, Kahlebye, Nübel und Tolk. Die Cistercienser, mit denen das neue Kloster besetzt ward, kamen aus dem Kloster Esrom auf Seeland. Den ehemaligen Cluniacensern der Michaelis-Kirche, die der strengen Regel sich zu unterwerfen versprochen hatten, gefiel es aber nicht in Guldholm; sie kehrten an den alten Ort und zu ihren alten Lastern zurück. Nun erhob sich der sogenannte Mönchenkrieg. Die schwarzen Mönche von S. Michaelis griffen die weißen (oder grauen, wie sie auch genannt werden, grisei) von Guldholm bewaffnet an, unterstützt von ihrer Dienerschaft. Es wurde mit Schwerdtern und Knitteln gefochten, und die Ueberfälle wiederholten sich. Bischof Waldemar, nach der Krone trachtend, kam inzwischen in Gefangenschaft, und seine Stiftung entbehrte seines Schutzes. Die Sache kam an den päpstlichen Stuhl, und zu Commissarien wurden ernannt der Bischof Homerus von Ripen und der Abt Wilhelm von Eskildsöe. Aus den Briefen des letzteren ersieht man noch einige nähere Umstände des Streits. Wilhelm warnt den Papst, sich von den Reden der schwarzen Mönche bethören zu lassen. Diese behaupteten, sie hätten nimmer in die Verlegung und Veränderung des Klosters gewilligt. Es kam am Ende darauf an, daß erwiesen wurde, der Herzog (damals Waldemar) sei Patron, er habe die Veränderung bewilligt, und die weißen Mönche erkännten sein Patronatsrecht an. Die Entscheidung ist zu ersehen aus einer Urkunde des Königs Knud vom 31. März 1196. Der König bestätigt darin die Veränderung des Ordens der schwarzen Mönche in den der weißen, spricht den letzteren nicht allein Guldholm zu mit allem Zubehör, sondern auch die Michaelis-Kirche und den Berg, auf dem dieselbe belegen, mit den dabei befindlichen Mühlen, einem Pflug Landes Stubbe genannt, alle Hausstätten in 7 Kirchspielen, so auch eine Anzahl namhaft gemachter Dörfer und Besitzthümer und die vom Bischof Waldemar verliehenen Zehnten. Das Michaelis-Kloster muß somit völlig seine Endschaft erreicht haben. Von diesem Michaelis-Kloster fehlen aus früherer Zeit alle und jede Nachrichten, außer demjenigen, was über die Vorgänge mitgetheilt ist, die den Untergang desselben herbeiführen. Kuß hat die Vermuthung aufgestellt, es möge vielleicht schon aus den Zeiten Knuds d. Gr. herrühren, wo zuerst Benedictiner ins Land kamen, doch bleibt dies eine bloße Vermuthung, wie die gleichfalls von ihm geäußerte, es sei vielleicht ein Chorherrenstift gewesen, weil von einer ecclesia S. Michaelis die Rede sei, und dieser Ausdruck vielfältig von einer Stiftskirche gebraucht werde. Daß das Alter ziemlich über das Ende des zwölften Jahrhunderts hinausreiche, läßt sich übrigens daraus abnehmen, daß sonst schwerlich ein solcher Vorfall schon eingetreten sein würde, ferner daß von mehreren Bischöfen die Rede ist, die vor Waldemar (der 1182 antrat) eine Besserung und Reformation vergeblich versucht hätten, auch daraus, daß das Kloster schon als ziemlich begütert erscheint. Denkbar wäre es allerdings, daß etwa dies Kloster seinen Ursprung genommen habe, als im Domcapitel die Veränderung vorging, daß aus den Benedictinern der Domkirche Canonici nach der Regel des Augustinus wurden. Zu vergleichen ist das darüber vorhin bei Lügumkloster Angeführte, wo ein ähnlicher Ursprung angenommen ist. Wir würden somit auf die Zeit um 1125 oder 1135 zurückkommen. Heimreich sagt: „Dieselben — die Canonici — sein Anfangs gewesen Benedictiner Ordens, welche als Priestern und geistliche Persohnen unter den Bischoffen gestanden u. s. w. Dieselben haben zur Zeit des Schleßwigischen Bischoffes Alberi mit Veränderung ihrer Kleider auch ihren Namen geendert, und haben damals mehrere Freiheit bekommen, also, daß sie von der angenommenen Regel S. Augustini hinfürder Canonici Regulares geheißen, welche auch in nachfolgenden Zeiten noch größere Freiheit erlanget, und als sie solcher Regel und ihrer nach derselben tragenden Kleider überdrüssig geworden, da haben sie, zur Zeit des Schleßwigischen Bischoffs Occonis, beydes die Veränderung ihrer Namen und Kleider erhalten, und seyn sie hernach Canonici seculares oder weltliche Thum-Herren geheißen worden.“ Alberus war aber Bischof um 1125, Occo 1135—1138. Es ist nicht unglaublich, daß eben bei diesen Veränderungen, um die ursprüngliche klösterliche Einrichtung der Benedictiner nicht ganz aufhören zu lassen, dieselbe auf eine andere Kirche, die zu S. Michaelis übertragen, dazu auch die große Landgemeine, die als die ursprüngliche Parochie der Schleswiger Kirche anzusehen ist, gelegt worden, wie denn wenigstens später S. Michaelis noch immer als eine Art Filial vom Dom erscheint. Bemerkenswerth ist auch, daß die Michaelis-Kirche in ihrer alten runden Form gewiß nicht ursprünglich als Kirche erbaut, sondern später dazu eingerichtet ist. Wir wenden uns nun nach Guldholm zurück. Hier hatte das Kloster aber auch keine bleibende Stätte. Was auch die Ursache gewesen sein mag, ob die zu große Nähe der Stadt, oder die ungünstige niedrige Lage des Platzes, wiewohl erst seit Anlage der Mühle zu Wellspang das Wasser des Langsees höher gestiegen ist: — man dachte an die Versetzung nach einem andern Orte, die auch so große Schwierigkeiten nicht gehabt haben wird, da die Gebäude wahrscheinlich nur von Holz gewesen sind, wie denn auch auf dem Platze sich keine eigentlichen Rudera oder Spuren von Gemäuer finden. Es ward das Kloster verlegt nach einer Waldgegend im nördlichsten Theile von Angeln nach dem Kirchspiel, das damals Holdenes-Brarup hieß von der Landspitze Holdenes oder Holnis, die sich hier in den Flensburger Meerbusen hinein erstreckt, später von den Mönchen den Namen Munk-Brarup empfing. Die Gegend aber wird in den lateinischen Urkunden Rus Regis genannt, das wäre Königsfeld, wahrscheinlicher aber wird der Name Kongens-Rye gewesen sein. Das nächste Dorf führt noch den Namen Rüde oder Ryde, gewöhnlich gesprochen Rye oder Rü. Rye aber bezeichnet in Angeln ein Gehölz, Holzanwachs, Gestrüpp, ungefähr wie das Niedersächsische Horst und Hörst. Es mag die Gegend gleich vielen andern Waldstrecken Königliche Domaine gewesen, und der Platz zur Anlage des Klosters durch Königliche Schenkung hergegeben sein, um so mehr da, wie wir gesehen haben, das Patronat des Klosters landesherrlich war. Das Kloster hieß nun selbst Rus Regis, coenobium Rydhae, Rythae, Rykloster, Rüekloster, Rüdekloster, Rudekloster (— der Umlaut wird bekanntlich in alten Schriften oftmals nicht bezeichnet —), auch wohl Rugekloster. Der Name Ruhe-Kloster, als käme es von Ruhe her, ist neueren Ursprungs und falsch. Von Rye oder Rüde ist zu unterscheiden Roy oder Rott, Rade, womit die ausgerodete Waldung bezeichnet wird. Das Kloster ward hieher verlegt 1210. 1209 am S. Magnus-Tage; 6. Sept., ward ein Tausch mit dem Bischof Nicolaus getroffen wegen der Zehnten. Für die an den vorhin genannten vier Kirchen bei Schleswig S. Michaelis, Nübel, Tolk und Kahlebye, empfing das Kloster nun die Zehnten zu Holdenes-Brarup, Grumtoft und Broacker. Der Tausch ward auf dem Husbyer-Hardesding verkündet. Ein Laienbruder Syvard hob die Zehnten zum Besten des Klosters ein, bis die Mönche das neue Kloster bezogen. Dies geschah im Spätjahr 1210. Am Abend des Apostels Thomas, also den 20. Decbr., verlas man zum ersten Mal die Regel. Mit der Verlegung war vermuthlich ein Umtausch nicht blos der Zehnten, sondern auch des Grundbesitzes verbunden, oder eines Theils desselben, worüber in einem folgenden Capitel mehr.


Diese narratio de monasterio S. Michaelis apud Slesvicum et de fundatione monasterii Aureae Insulae ist abgedruckt in Langeb. S. R. D. tom. V, 379-383, aber freilich defect. Vgl. Kuß im Staatsb. Mag. X, 459—496 und 1002. Manches haben wir besonders über die Besitzthümer des Klosters aus Urkunden im Flensburger Amts-Archiv. Auch ist Einiges in [Gude] Bericht von der Halbinsel Sundewith und dem Glücksb. Erblande. Altona, 1778.

 

 

 

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