PAULSEN, Ingwer: Bemerkungen über das vormalige Zisterzienser-Kloster in Glücksburg, in: Jahrbuch d. Heimatvereins der Landschaft Angeln 51 (1987), S.19 f.

 

Ingwer Paulsen:

Bemerkungen über das vormalige Zisterzienser-Kloster in Glücksburg

 

 

Das Ablassen des Schloßteiches und damit verbundene Freilegung der Klostergrundmauern gab Anlaß, sich mit der Frage zu beschäftigen, warum das Kloster innerhalb weniger Jahre, d. h. in ca. 20-30 Jahren zweimal seinen Wohnsitz von Schleswig über Guldholm am Langsee nach Glücksburg änderte.
Die allgemeine Version, daß hierfür das sittenlose Verhalten der Mönche die Ursache gewesen sei, mag teilweise stimmen, z. B. für die 1190 erfolgte Umsiedlung nach Guldholm und der damit verbundene Tag der Einweihung am 12. Juni 1192. Im Vordergrund scheinen aber politisch-wirtschaftliche Verhältnisse gestanden zu haben, wie die Umwandlung von einem Clüniazenser zu einem Zisterzienser-Kloster, wobei die ersteren auf königlicher, die letzteren auf bischöflicher Seite standen und die Konkurrenz der schon vorher in Schleswig anwesenden Benediktiner.
Allgemein ist bekannt, daß das Auftreten eines neuen Ordens Ansehen und Einkommen vorhandener Klöster schmälerte, daß es dann zu blutigen Auseinandersetzungen, sogar Mönchskriegen kam. Daß sich daraus eine üble Nachrede mit langzeitiger Diskreditierung entwickelte, ist nur zu verständlich.
Die Umsiedlung an den Langsee wurde vom damaligen Bischof Waldemar zunächst unterstützt und das Kloster mit reichen Schenkungen bedacht. Man fragt sich aber, warum trotzdem eine neuerliche Verlagerung nach nur 14jährigem Aufenthalt am Langsee nach Glücksburg geschah. Angeblich aus den gleichen Gesichtspunkten, wie die vorherige Umsiedlung. Dem hätte man aber wohl durch Strafversetzung einzelner Klosterbrüder begegnen können und auch das angeblich ungesunde Baugelände wäre doch wohl schon beim Auszug aus Schleswig zu erkennen gewesen. Recht erhebliche Investitionen sind also nach kurzer Zeit wieder aufgegeben worden. Die Begründung scheint mir hierfür in der Person des Bischofs Waldemar (1157-1236) und seines politischen Engagements zu liegen. Als morganatischer Sohn Knuth III., der aber später als echter königlicher Prinz anerkannt wurde, erhob er gegen seine Familienmitglieder, die Könige Knuth VI. (1163-1202) und Waldemar II. (1170-1241) Ansprüche auf den dänischen Thron und sammelte mit Hilfe norddeutscher Fürsten ein Heer gegen seine königlichen Vettern. Der Erfolg war eine 14jährige Gefangenschaft von 1192-1206 in dänischen Klöstern bzw. Burgen. Anschließend begibt er sich nach Rom, um dort seine Anwartschaft auf den dänischen Thron zu vertreten, allerdings ohne Erfolg, um sich dann entgegen des päpstlichen Willen unter recht fadenscheiniger Begründung zum Erzbischof von Bremen zu machen, was ihm auch noch eine zeitweilige Exkommunikation eintrug.
Wie konnte sich das Kloster unter einem so unruhigen und weitreichenden politischen Vorstellungen nachjagenden Herrn, der in vieljähriger Gefangenschaft lebte, sich in erbitterter Gegnerschaft zur dänischen Krone befand, unter Gefahr für Leib und Leben auf dem umstrittenen erzbischöflichen Stuhl Bremens saß, wohl und geborgen fühlen.
Unter den vorgenannten Aspekten änderte sich die Einstellung der Zisterzienser von Guldholm zu ihrem Bischof, man näherte sich dem königlichen Lager unter Knuth VI. und später Waldemar II.
Da mit der Ansiedlung eines Ordens vor allen Dingen der Zisterzienser mit ihrem weitreichenden politischen Einfluß auch noch erhebliche kolonisatorische Vorteile verbunden waren, wurde der Orden im ganzen Norden wie Osten begünstigt, so auch im nördlichen Teil der Husbyharde, In Lyksborg. In diesem Zusammenhang muß auf den Begriff »Rus regis«, Land des Königs, eingegangen werden. Ein Bereich, dessen zeitliche Einordnung, Ausdehnung und damit verbundene Absichten noch weitgehend unbekannt sind. Als hypothetische Annahme kann aber das Klostergebiet hiermit identisch gesetzt werden. Hier treten vermehrt Ortsbezeichnungen auf, die auf eine Waldrodung hinweisen, z.B. auch Rudekloster — also auf eine organisierte Tätigkeit auf größerer Fläche.
Eine dänische Veröffentlichung von Hoyer identifiziert sogar das Gebiet des Rye- oder Ruhe-, Rude-Klosters mit dem Rus regis, dem Kongens Rye, dem Königsfeld. Sollte sich diese Hypothese bewahrheiten, sind hier nicht nur die Gren-zen des Rus regis, sondern auch die des ursprünglichen Klosterbezirkes und die des späteren Fürstentums Glücksburg bestimmt.
Aufgrund der topographischen Gegebenheiten bestand die Möglichkeit zur Nutzung der Wasserkraft, Anlage von Fischteichen, Nähe der Förde und des Schwennautales als Verkehrswege. So ist das besondere Interesse des Herrschers in diesem Gebiet im Hinblick auf eine Klostergründung durchaus verständlich und eine Umsiedlung der Zisterzienser, die weder Betreuung, geschweige denn militärischen Schutz durch ihren Bischof erwarten konnten, gleichfalls nahelie-gend.
Eine Wohn- bzw. Burg-Anlage (Motte-Turmhügel) ist neuerdings in Klosternähe nachzuweisen und damit auch die Erklärung »Lucksborg«, »Lyksborg«, die Burg auf einem umgrenzten, unter königlichem Schutz stehenden Gebiet. Diese Motte liegt auf dem Flurstück »Nydamm«. Ob der »Neue Teich« eine Anlage der Zisterzienser ist, oder durch die Burganlage bedingt war, ist unbekannt. Einen Hinweis auf diese Wehranlage, von der schon Gude 1778 spricht, gibt es auf der Karte von Marcus Jordanus um 1559. Hier erscheint der Turm als massives, steinernes Bauwerk. Ob er zunächst der Abwehr slawischer Überfälle und erst später dem Schutz des Klosters diente, wird nur durch zeitliche Einordnung, d. h. durch Grabung zu ergründen sein.
Ich glaube anhand der Ausführungen gezeigt zu haben, daß die üble Nachrede bezüglich des sittlichen Verhaltens der Klosterbrüder für die Umsiedlung von Schleswig nach Guldholm möglicherweise mitbestimmend war, für den weiteren Umzug nach Glücksburg aber durchaus sekundär anzusehen ist. Hier waren ganz reale, wirtschaftliche und politische Gesichtspunkte maßgebend. Die mittelalterliche Situation Glücksburgs birgt noch viel Unbekanntes.


Herzlichen Dank an den Heimatverein der Landschaft Angeln für das Zurverfügungstellen dieses Artikels.