aus: Scriptores rerum Danicarum medii aevi , ed. Jakob LANGEBEK u. a., Bd. V, København 1783, 379-383.

 

CXXXVI.

Narratio de Monasterio S. Michaelis apud Slesvicum et de Fundatione Monasterii Aureae Insulae.

 

Dieses Büchlein ist 1289 von einem Mönch des Klosters Rus Regis, wie er selbst sagt, geschrieben. Thomas Bartholinus fügt es dem ersten Band seiner Anthologie bei (Seite 104), der jedoch zum großen Schaden für unsere Literatur im wüsten Brand von Haunis [Købnhavn ?] Im Jahr 1728 verloren ging.
Glücklicherweise bewahrte uns P. Resenius dieses Werk in seinem Atlas von Dänemark – nicht veröffentlicht – bei der Beschreibung der Stadt Slangerup auf Sjaeland [Seeland]. Von diesem großartigen Werk befindet sich ein herrliches Exemplar bei dem exzellenten Grafen A. G. von Moltke, wo sich in Bd. II, Seite 394 – 405 ein Bericht befindet über drei Klöster. Den ersten Platz nimmt bei Resenius das Kloster Viteschola ein, den zweiten Tuta Vallis, den dritten dies Kloster St. Michael. Und so beginnt er: Das dritte und letzte ist dahinsiechend. Es ist zu bedauern, dass Resenius nicht die Gründung des Klosters Insula Aurea / Goldene Insel und dessen Übersiedlung nach Rus Regis zur Hand gehabt hat, was bei Bartholinus folgte und nun verloren ist.
In welchem Jahr aber der Konvent nach Guldholm gesandt worden ist, darüber berichtet die Chronik des Erich (Lang. Script. Tomus I, Seite 164), nämlich 1192, und später, gemäß derselben Chronik, Seite 165, ist er dann um 1210 von Aurea Insula nach Rus Regium verlegt worden, wo jetzt die Burg Glücksburg gebaut ist. Der Cornelius Hamsfort, der wohl die kleine Erzählung vor sich hatte, berichtet an derselben Stelle, Seite 283, zum Jahr 1192: „Eine Schar schwarzer Mönche (Benediktiner) der Kirche St. Michael in Schleswig wird auf Weisung des Bischofs Waldemar von Schleswig zur goldenen Insel geschickt.“ Später, Seite 284, heißt es  zum Jahr 1209: „Der Konvent von Insula Aurea am Tag des Heiligen Magnus wird zum Kloster Rus Regium verlegt. Die Übersiedlung wird bestätigt vom Grafenamt zu Husby unter Zustimmung des Bischofs von Schleswig, Nikolaus. Die Klosterbrüder von Rus Regium waren von dem Konvent der Insula Aurea. Regel und Ordensdisziplin wird verlesen am Tag vor dem Feste des Heiligen Apostels Thomas. Das Quaestorenamt [Verwaltung des Klosters] der Brüder versah der Laienbruder Siward. Diesen ganzen Vorgang billigten Papst Innocens III. und der Erzbischof von Lund. Huitfeld berichtet in Bd. 1, Seite 178, die Mönche von Rus Regium hätten 1209 einen Tausch gemacht mit dem Bischof Nikolaus von Schleswig und ihm anstelle von zehn Kirchengütern in Holdemasbrotorp, Broagger und Grummetoft zehn der Güter von St. Michael auf dem Berge, Kalleby, Nybölle und Tolge gegeben. Danach erzählte er, was von den Mönchen in Guldholm und ihrem skandalösen Abt begangen wurde, was nach unserem Autor [Chronik des Erich / Bericht des Corneliuus Hamsfort, der darauf fußt] mit dem Abt von St. Michael auf dem Berge geschah.
Huitfeld fügt hinzu, dass die Mönche von der Goldenen Insel aus diesem Grunde ins Kloster Rus Regis übergesiedelt worden seien. Unser Gewährsmann berichtet aber dies von den Mönchen von St. Michael auf dem Berg, die zur Goldenen Insel gebracht wurden. Huitfeld folgt jedoch Pantoppidanus, Annalen, Bd. 1, Seite 622: „Der Orden der Goldenen Insel war der des heiligen Bernhard oder einer von den Zisterziensern. Denn Waldemar, der Bischof, hat Mönche von Esrom kommen lassen.“ Bartholinus sagt in seinen kirchlichen Annalen zum Jahr 1192: Die Mönche Insula Aurea seien schwarz gewesen, vom Orden der Cluniazenser. Ferner erzählt er [Huitfeld] unter Berufung auf den heiligen Abt Wilhelm im dritten Band der Briefe, Brief 11, A 209, (diese Briefe liegen – welch ein Schmerz – in irgendeinem Winkel), das Homer, der Bischof von Ripe [Ribe?] und der Abt Wilhelm den Besitz der Kirche St. Michael (früher von Wilhelm an den Bischof verschenkt) (und vom Erzbischof zu Lund urkundlich bestätigt) den weißen Mönchen (Dominikaner) mit apostolischer Zustimmung zugewiesen hätten, nachdem sie vollkommen unterrichtet worden seien in drei Artikeln, nachdem diese selbst vom Papst auf Gesandtschaftswege zwischen den Mönchen von Guldholm und jenen von St. Michael festgelegt worden waren, nämlich wenn 1. der Herzog [Waldemar war damals Bischof und Herzog, Dux] Patron ist, wenn er 2. Der Änderung zustimmt, wenn 3. die weißen Mönche ihm [dem Herzog und Bischof] das Patronatsrecht bewahren wollten. Das versprachen die Mönche für sich und für ihre Nachfolger auf immer. Über diese Angelegenheit gibt es von Wilhelm mehrere Briefe bei Bartholinus. Später hat Papst Coelestin dies (die Vereinbarung von Abt und Bischof) bestätigt, was aus einem Konzilsbeschluss unter dem dänischen König Knut VI. hervorgeht, aus dem Jahr 1196, der im königlichen Archiv aufbewahrt wird. Pantoppidanus und Danckwe[…?] in der Beschreibung des Herzogtums Schleswig, Seite 102, 117 bringen das Kloster Aurea Insula und das Kloster St. Johannes in Holm in der Stadt Schleswig durcheinander, obwohl es später benediktinisch war und von Nonnen, niemals aber von Mönchen bewohnt wurde. Auch liegt die Goldene Insel eine Meile von der Stadt Schleswig entfernt.
Rus Regis, auf Dänisch Rye, Rüde, Ruge, Rydtae, Rythe, Rube, Rig genannt, wohin die Mönche von der Goldenen Insel gebracht wurden, war Kloster bis 1565 nach der Reformation. Nachdem Friedrich II. 1581 eine Teilung hatte vornehmen lassen zwischen sich und seinen Brüdern, überließ er jenes Kloster und [das dazugehörige] Land Herzog Johann dem Jüngeren, der 1582 das Kloster abtragen ließ und an dessen Stelle eine herzogliche Burg errichtete mit dem Namen Glücksburg, auf die eingeschrieben war: Fortunae arcis, für das Glück der Burg. Siehe Helvaders Schrift Sylva, Chronologie Bd. 2, Seite 212: Aurea Insula oder Guldholm lag an einem sehr lieblichen Platze auf dem Gebiet von Strukdorf in der Pfarrei Nybel am Langsee. Nach der Überleitung der Mönche nach Rye (Kloster Rus Regis) kamen die Besitztümer der Goldenen Insel und der Besitz in der näheren Umgebung unter die Herrschaft von Bischof und Kapitel in Schleswig. Bis 1312 hatte der Bischof eine Verwaltung in Guldholm. Jetzt zeigen sich keine Spuren der Gebäude mehr. Siehe die Darstellung von Petersen über das Kloster St. Johannes in den Westphalii monumenta, Bd. 3, Columne 333. Nahe Glücksburg liegt der Ort Rude, woher sich wohl der Name [Rus Regis] herleitete. (Petersen, die Beschreibung der Stadt Schleswig. Daneben die Chronik von Erik bei Langeb. Bd. 1, Seite 167.)
Rus Regis hat 1237 große Privilegien erhalten durch seinen Abt Petrus, nämlich die Befreiung von jeglicher Steuer und vom königlichen Recht. Aber später erfuhr es ein großes Unglück. Denn 1283 nahm der Bischof Jakob von Schleswig den Mönchen den Zehnten und ließ einige von ihnen schlagen – wegen des zügellosen Lebens, wie Langebeck auf einem Blatt aus der Beschreibung der Stadt Schleswig vermerkt.
Der Konvent wurde 1284 aufgelöst (ebd. auf Seite 170). Später jedoch wurde das Kloster von König  Erich [Erico: Erik VI] Menved unter seinen Schutz gestellt, wie die königlichen Briefe im Archiv unseres erlauchten Herrn, herausgegeben 1299, belegen, wo es unter anderem heißt: "Durch diese Überlegung haben wir den gerechten Bitten der Klosterbrüder um königliches Recht zugeneigt, und die Nachteile, Mühsale und vor allem die vielen Ungerechtigkeiten betrachtend, die die Brüder bis jetzt erlitten haben, die besagten Mönche mit all ihren Besitz und Gut und deren Familie unter unseren Schutz genommen. Wobei wir allen verbieten, sie in ihren Angelegenheiten oder an ihrer Person zu belästigen oder zu bedrängen. Bei Strafe durch das königliche Schwert." Ich habe keinen Zweifel, dass der König mit diesen Worten auf den Bischof von Schleswig gezielt hat, der durch Habgier und durch seinen Eifer den Mönchen keine Ruhe ließ unter dem Vorwand des sittenlosen Lebens einiger von ihnen.
[Es folgt eine Aufzählung der Äbte.]
Das dritte und letzte ist das Kloster St. Michael, nahe bei Schleswig, das wegen seiner unsittlichen und schändlichen Umtriebe dem Niedergang verfiel. An seiner Stelle blühte ein anderes auf, das den Namen Aurea Insula erhielt. Was darüber zu erfahren lesenswert ist, lautet – von einem unbekannten Verfasser niedergeschrieben – etwa so:

Es ist ein Zeichen von Dummheit und schlichter Torheit, sich um das Gegenwärtige nicht zu kümmern oder sich keinerlei Gedanken zu machen, über die Zukunft geradezu nichts im Voraus zu erkennen und nicht auf der Hut zu sein. Deshalb habe ich zur Belehrung künftiger Generationen sorgfältig zusammengetragen und in eine einzige Schrift gefasst, was auf Urkunden und auf unbedeutenden Schriften vereinzelt weitläufig verstreut war, [an Nachrichten] über die Gründung der Goldenen Insel und über den Ortswechsel jenes Klosters, damit unsere Nachkommen und die Nachkommen der Nachkommen und vor allem auch deren Nachfolger wissen, wie nach Vertreibung der schwarzen Mönche von der Kirche St. Michael auf dem Berge draußen vor der Stadt Schleswig die besagte Kirche mit all ihrem Besitz dem Kloster Aurea Insula übergeben und mit ihm vereinigt worden ist, und wie eben dieses Kloster Aurea Insula seinen Anfang genommen hat oder unter welchem Gründer es empor gewachsen ist, mit welchen Rechtsgrundlagen es die erwähnten Güter der besagten Kirche St. Michael von den oben genannten Mönchen behalten hat, damit die Söhne, die noch geboren werden, ihren Söhnen erzählen können, über welch große Entscheidungen und Schwierigkeiten unsere Vorfahren den Platz erworben haben, an dem wir leben, und den Besitz, wovon wir leben.
Also ist dies im Jahre 1289 von verschiedenen Blättern, Büchern und alten Urkunden gesammelt worden und hier kurz, einfach und ohne gelehrtes Gehabe zusammengestellt worden zum Nutzen künftiger Generationen etc.
Als also im Kloster St. Michael in der Vorstadt von Schleswig einst schwarze Mönche wohnten vom Orden der Cluniazenser und in allzu verschwenderischem Umgang mit ihrem Ruf die ganze nähere Umgebung mit dem Gestank ihrer Schande verpestet hatten, ja der Platz, der als Haus Gottes, als Haus des Gebetes gelten und es auch sein müsste, eine Räuberhöhle geworden war und ein Bordell von Dirnen, was ich nur unter Schmerzen sage, und deswegen für alle als fluchwürdig und verabscheuenswert galt wegen der Schlechtigkeit der dort Wohnenden …  – [die Satzkonstruktion wird abgebrochen] Der Name Gottes wurde nämlich durch eben diese Mönche unter den Laien geschmäht und der einst verehrungswürdige Name des Ordens geriet zu einem Spottbild. Daher scheute sich das Volk, diesen Mönchen die üblichen Spenden zu geben und von ihnen die kirchlichen Sakramente zu empfangen. Es wollten ja auch die Schleswiger, die damals in Folge der Stadt vorstanden, das besagte Kloster reformieren und zum Besseren verändern, vermochten es aber nicht wegen des sittenlosen Lebens der Mönche, nun ja, weil das Maß ihrer Verfehlungen noch nicht voll war und noch nicht so in die breite Öffentlichkeit gedrungen war, wie es dann später geschah. So sehr waren sie [dann] bekannt, wie es in den Akten über dieses Geschehen schriftlich festgehalten wurde, dass sie einer Beweisführung nicht bedurften und ihre Untaten auch nicht durch irgendeine Verschleierung verdeckt werden konnte.
Als nun das Geschrei über ihr schlimmes Verhalten zum Himmel stieg und der Herr erkannte, es sei die Zeit zu handeln, das Jahr der Vergeltung gekommen, sandte er in das Herz des Herrn Bischof Waldemar von Schleswig – ein Mann, den man in guter Erinnerung hat und der damals der Domkirche vorstand – [den Auftrag], endlich an die besagte Aufgabe heranzugehen, einen Ortswechsel für das besagte Kloster vorzunehmen und die berüchtigten schamlosen Mönche zu vertreiben. Dass dies günstiger und mit freierer Hand geschehen konnte, [dazu trug] in jenen Tagen ein ungeheuerliches Ereignis [bei], [hervorgerufen] durch eben diese Mönche, das anzeigte, dass schnell Sturz und Verfall bevorstehe.
In einer Nacht ging der Abt jenes Klosters mit einigen Mönchen aus. Sie betraten ein Wirtshaus und gaben sich dort weniger anständig als sich ziemte einem fröhlichen Zechgelage und Besäufnis hin zusammen mit Weibern. Als einer der Zechbrüder, der gewöhnlich mit dem Abt zu einer solchen Unternehmung ausging, erkannt hatte, dass der Abt ausgegangen war, ergriff er voll Wut darüber, dass der Abt ihnen diesmal nicht eingeladen hatte, das Glöckchen, das gewöhnlich für die Toten geschlagen wurde, und läutete heftig. Durch dessen Lärm wachten die übrigen Brüder vom Schlafe auf und kamen ziemlich rasch zu dem Platz, wo der Gong geschlagen wurde. Sie fragten, was los sei. Er erwiderte allen: "Unser Abt liegt tot in der Taverne." [„Abbas noster in taberna jacet mortuus“]. Und indem er so antwortete, war es auch [wirklich] so. Gestorben ist er [nämlich] in seiner Seele. Nachdem also die Mönche die Wahrheit von der ganzen neuen Verfehlung gehört hatten, deckten sie nicht, wie die Söhne Noahs es taten, die Scham des Vaters zu, sondern zeigten sie allen. Nachdem sie das Weihrauchfass und andere für die Reinigung der Toten notwendige Dinge ergriffen hatten, kamen sie auf diese Weise in einer Art Prozession zu ihrem Abt in der Taverne und alle Leute, die dort wohnten, mit ihnen. Aufgrund ihres Erscheinens geriet der Abt in größte Verlegenheit und Schamröte. Auf solche Weise führten sie ihn in das Kloster zurück.
Als das Gerede von diesem abscheulichen Vorgang sich immer weiter verbreitet hatte, vermehrte es durch seine Neuigkeit die alte Schande und zog das neue wunderliche Zeichen von der monströsen Schamlosigkeit des Abtes ins Licht [der Öffentlichkeit]. Von diesem Tage an gaben die Mönche die Hoffnung auf, sie könnten an jenem Platze [d.h. im Kloster St. Michael] bleiben. Der Bischof ergriff die günstige Gelegenheit, kam zum Kloster und erkannte, während die Mönche berichteten, dass wahr sei, was er früher, als das Gerücht noch um lief, schon erfahren hatte über den Abt. Beide Kapitel [Domkapitel und Kloster] luden den Abt vor. Sie begannen, den Konvent auf eine Reform des Klosters einzustimmen. Der Abt, der seine Scham nicht ertrug, verzichtete freiwillig auf sein Amt. Er selbst und die Mönche gaben den Platz [das Kloster] in die Hände des erwähnten Bischofs, manche ganz offen, manche aber mit Schweigen, weil sie nicht wagten zu widersprechen. Und weil sie schwiegen, urteilte man danach, sie hatten durch ihr Schweigen zugestimmt. Es wurde ihnen klar, dass sie in Schande geraten waren, so dass sie keineswegs dort [mehr] leben konnten wegen der Scham, der Gefahr für ihr Seelenheil und der heftigen Beschimpfung.
Alle also entschieden sich für einen anderen Platz, aber auf verschiedene Weise, außer vier Mönchen, die der Bischof dort bleiben ließ, damit sie für acht Nonnen, die dort waren, die Sonntagsmesse feiern konnten. Von den anderen versprachen manche, sie würden die Lebensweise eines strengeren Ordens auf sich nehmen, manche baten darum, in anderen Klöstern desselben Ordens unterkommen zu können, was dann auch geschah. Jenen vier Mönchen auch, die zurückblieben, und den acht Schwestern gestand der Bischof drei Mühlen ganz in der Nähe der Stadt und alle Grundstücke in der Stadt und sonst noch anderes Gut zu, damit sie daraus Lebensunterhalt hätten, solange sie lebten. Und sie sollten nicht mehr [neue Mönche] aufnehmen, sondern miteinander alt werden. Andere Mönche aber, die versprachen, sie würden ihre Lebensweise ändern, kamen zum Kloster Aurea Insula. Als sie dort sich nicht an die harte Regel hielten, kehrten sie zum alten Platz zurück wie Hunde zum Erbrochenen und begannen so übel zu leben wie früher.
Der Bischof hatte das Kloster [Aurea Insula] auf seinem Grund und Boden bauen lassen, der auf Dänisch Guldholm hieß und gab ihm den Namen Aurea Insula [Goldene Insel]. Er hatte dort einen Konvent angesiedelt, den er von Esserom [Esrom auf Seeland] her geholt hatte. Er übertrug diesem Kloster aus seinem Besitz viele Güter und versprach noch mehr. Um zu zeigen, wie sehr er den Ort liebe, soll er bei seinem Versprechen, gewissermaßen mit der Ortsbezeichnung spielend, zu dem Platz gesagt haben: "Aurea Insula heißt du, und ich werde, solange ich lebe, dich vergolden." [Aurea Insula tu vocaris, et ego te, si vixero, deaurabo.] Ach, welch ein Schmerz, seine Hoffnung täuschte ihn. Er konnte sein vorgesehenes, so frommes Vorhaben nicht vollenden. Denn nicht lange danach wurde er gefangen gesetzt und dann des Landes verwiesen. Deshalb, Guldholm, trauere und beweine den allzu frühen Fall deines frommen Vaters, bei dessen Lebzeit dir eine Menge aller angenehmen Dinge zu floss. Als er weg war, bliebst du völlig verarmt zurück. Wenn er nämlich noch gelebt hätte, hätte er dich den anderen [Klöstern] gleich gemacht, ja vor allen hervorgehoben. Nun aber möge dir die Armut genügen. Bitte Gott inständig, dass seine Kräfte vor dem Herrn nicht vergehen und nicht gemindert werden darin, dass er seinen guten Willen nicht hat vollenden können, wie er wollte.
Im Jahre des Herrn 1192 am 12. Juni kam der Convent zur Goldenen Insel. Im selben Jahr, am 23. Juni, am Tag der Himmelfahrt des Herrn, weihte der ehrwürdige Vater und Bischof von Schleswig, Waldemar, dessen man sich gern erinnert, den Kirchhof und die Klostermauer in Guldholm ein. Er übertrug die Zehnten von vier Kirchen, die zu seinem Unterhalt gehörten, natürlich von St. Michael auf dem Berge, von Halleby, Nybölle und Tolge, durch ewige Schenkung, und diese Schenkung sicherte er ab durch Aushändigung von Urkunden mit fester Gültigkeit. Jene Mönche, die, wie vorher erwähnt worden ist, von ihrem guten Vorsatz wieder absprangen und nach St. Michael zurückgingen, sahen, dass sie und das Ihrige dem Niedergang entgegen gingen, dass die Goldene Insel aber an Zahl der Personen, durch Zunahme der Mittel und durch die Gunst der Herrschenden von Tag zu Tag mehr und mehr wachse; und da sie es nicht ertrugen, dass ihr bitterer Schmerz im Inneren verborgen blieb, gerieten sie in einen solchen Wahnsinn, dass sie den Unsrigen körperliche Gewalt antaten. Bewaffnete Mönche und nicht etwa deren Diener überfielen ziemlich oft die Unsrigen und beraubten und schlugen sie. Sie verdrehten unter sich die Wahrheit, sie seien zu Unrecht mit Gewalt aus ihrem Kloster geworfen worden, und behaupteten, sie hätten dem Bischof nicht zugestimmt bei dem Ortswechsel und sie hätten nicht auf den Ort [St. Michael] einigermaßen verzichtet. Als der Streit und die Nachricht vom Zank schließlich zum apostolischen Sitz kam und geprüft werden musste, wurden in der erwähnten Sache zwei Richter benannt, die im Vertrauen auf die apostolische Autorität jenen Fall sorgfältig untersuchen und entscheiden sollten, weise Männer und Freunde der Gerechtigkeit: der Bischof von Ripe [Ribe], Omerus, und Wilhelm, der Abt vom Kloster Heilig Geist [Paraclito]. Diese folgten einem guten Rat und ermittelten sorgfältig das Ansinnen der Herren König Knut, Herzog Waldemar und Erzbischof Absolon [Absalon von Lund], wie sie in der erwähnten Sache vorgehen sollten.
Damit aber deren Wille in diesem Streitfall deutlicher erkannt werden kann, sind die Briefe dieser Personen untereinander und mit den vorgenannten Richtern für diejenigen, die wissen wollen, ausführlicher ausgedrückt worden.

Bis hierher unser Autor. Aber die Schriften, die er am Ende erwähnt, vermissen wir, so dass das Urteil oder der Ausgang des Streites ebenfalls dunkel bleibt.

 

 

Übersetzung: Bruno Hesse, Januar 2011
lateinischer Quelltext
handschriftliche Originale