Quelle: Detlev von Liliencron: Gute Nacht. Berlin 1909, S. 59-62.

Detlev von Liliencron:

Die schwarzen Mönche in Schleswig

 

1190

Die Cluniacenser von Sanct Michael,
Das waren lustige Brüder;
Die tanzten und juchten kreuzfidel
Mit den Nonnen von Sanct Lüder.

Der Abt tanzte selber weit voran,
Ein Lüdrian sondergleichen.
Einst spielten die Mönche dem wackern kann
Den tollsten von all ihren Streichen.

Ein Mönch fand den Abt im Kloster nicht,
Der war bei Nachtzeit verschwunden.
Warte, dir läut ich das jüngste Gericht,
Gleich soll es die Glocke bekunden.

Das Sterbeglöckchen, bimmeldi bim,
Wütet wild und vermessen.
Bim, bimmeldi, bimmeldi, schlimmer als schlimm,
Der Mönch reißt am Strang wie besessen.

Die Kutten laufen wie Küchlein her:
Misericordia sempiterna.
Was ist denn los? fragts kreuz und quer.
»Abbas mortuus est in taberna.«

Sie machen sich auf in die Stadt in Eil,
Alle kennen die Taverne.
Das Volk nimmt lachend am Zuge teil,
Just löschte der Tag die Sterne.

Mortuus est in anima! schreit
Der Mönch schier unverdrossen.
Er schwingt das Rauchfaß, er psalmodeit;
Mit plerren die Ordensgenossen.

Die feierliche Prozession
Ist ad bordellum gekommen.
Da finden sie den saubern Patron;
Dem wird sehr beklommen.

Bei einer langen Hure lag
Der geistliche Herr mit Vergnügen.
Oh weh, es rührt ihn fast der Schlag,
Er muß sich den Umständen fügen.

Nun geht es im Triumphschritt zurück,
Die Wallfahrt äfft Klagelieder.
Dem würdigen Abt fällt Stück um Stück
Von seiner Sauseele nieder.

Bischof Waldemar hörte bald den Verdruß,
Er kannte keine Gnade.
Der Abt und die Mönche, das war kein Genuß,
Erhielten die Bastonade.